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Projekt der Werkstatt Rückkehr zur Tradition
im Stadtmuseum Horažďovice

Das Stadtmuseum wird im Juni 2009 für die Besucher eine interaktive Werkstatt mit dem Namen Rückkehr zur Tradition eröffnen. Dieses Projekt wird vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung unterstützt.

Wie der Name schon sagt, ist die Werkstatt interaktiv und bricht so die anderweitig üblichen musealen Einschränkungen frei nach dem Motto: Bitte nichts berühren. In unserem Fall gilt das Gegenteil, man darf nicht nur, sondern muss sogar alles berühren. Wir sind sicher, dass die Gelegenheit, die verschiedenen Gerätschaften und Hilfsmittel anzufassen, sie in die Hand zu nehmen und die eigene Geschicklichkeit und Handfertigkeit zu erproben, verlockend ist.

Das Leben unserer Vorfahren auf dem Lande war Sommers wie Winters voller Arbeit. Das Frühjahr und der Sommer bedeuteten viel anstrengende Arbeit auf den Feldern, Wiesen und auf dem Hof, und im Winter wurden häusliche Arbeiten durchgeführt. Heute können wir uns nur schwer vorstellen, wie eine ganze Familie im Winter in einem einzigen beheizten Raum lebte, in dem gleichzeitig auch gearbeitet wurde. Als Lichtquellen dienten Fackeln, Kerzen und Petroleumlampen, im Wohnraum wurde gesponnen, Spitze geklöppelt und der Webstuhl und das Holz zur Bearbeitung waren auch dort. Die Produkte, die unter diesen Bedingungen entstanden, waren aber auf hohem ästhetischem Niveau und handwerklich perfekt verarbeitet.

In unserer Werkstatt sind Holz- und Wollverarbeitungs-Linien, ein Webrahmen und Klöppelzeug vorbereitet. Auch Filme mit Aufzeichnungen der Arbeit von volkstümlichen Handwerksmeistern haben wir vorbereitet. Das Programm in der Werkstatt ist für Familien, Reisegruppen und Schulklassen geeignet.

Spinnen

Der Zweck des Spinnens ist die Anfertigung eines Fadens aus unterschiedlichen Materialien, der weiterverwendet werden kann. Der Faden entsteht durch das Zwirbeln des vorbereiteten Materials. Die älteste Technik ist das Spinnen mit Hilfe einer Handspindel mit Gewicht (Spinnwirtel) in der Hand. Als Belege für diese Technologie gelten die bei Ausgrabungen in der Region Horažďovice gefundenen Spinnwirtel. Sie werden in die 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung datiert, als in unserem Gebiet die Kelten gelebt haben.

Spinnwirtel; 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung
Spinnwirtel; 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung

Viel schneller ist die Arbeit auf dem Spinnrad, das auch auf dem Lande seit dem 16. Jahrhundert benutzt wurde. Hauptsächlich wurde Flachsgarn verarbeitet, sowohl für den Hausgebrauch, als auch für den Verkauf. Auch Wolle oder Hanffasern wurden gesponnen. Spinnräder werden von der Konstruktion her in zwei Arten eingeteilt, horizontale und vertikale. Es kommt darauf an, wo der Kopf mit der Spule, auf die der Faden aufgerollt wird, angebracht ist. Ein Spinnrad fehlte in keinem Haushalt und war untrennbarer Bestandteil der Mitgift einer Braut. Jede Frau spann, von der Ärmsten bis zur Königin. Je nach Vermögen der Besitzerin gab es auch Spinnräder aus verschiedenen Holzarten, verziert, geschnitzt, manche auch bemalt. Auch der Spinnrocken, auf dem die Fasern zum Spinnen befestigt wurden, war unterschiedlich geschmückt. Das Spinnen von Wolle hielt sich in unserer Gegend für lange Zeit. Noch in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bildete es die winterliche Arbeitstätigkeit von Frauen in der Umgebung von Horažďovice, in einigen Dörfern sogar noch länger. Es wurden auch neue Spinnräder hergestellt.

Das Spinnen von Wolle, das jeder in unserer Werkstatt ausprobieren kann, ist einfacher als das Spinnen von Flachs. Die den Schafen abgeschorene Wolle wird an Karden gekämmt, die auf Werkbänken befestigt sind und dann wird sie gesponnen.

Jeder wird so die Möglichkeit haben, ein Stück abgeschorene Schafswolle zu kardieren und dann versuchsweise das Spinnrad zu drehen. Brauchbares Garn spinnt ein Besucher beim ersten Besuch bei uns wohl nicht. Denn es ist eine Tatsache, dass alle diese Tätigkeiten, die uns beim Betrachten einfach erscheinen, viel Geschicklichkeit erfordern.

Weberei

Die Weberei ist die älteste Art der Textilherstellung und nach 4 000 Jahren ihrer Existenz beruht sie noch immer auf dem gleichen Prinzip – das Durchziehen der Kettfäden unter bzw. über den Schussfäden. Ein Nachweis für das Alter der Weberei ist in der Ausstellung des Stadtmuseums, wo ein Webgewicht ausgestellt ist, das zum Beschweren des Fadens am Handwebrahmen benutzt worden war. Es stammt aus der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung, als unser Gebiet von den Kelten besiedelt war.

Webgewicht; 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung
Webgewicht; 2. Hälfte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung

Im Böhmerwald und auf dem Gebiet des Vorböhmerwaldes wurde mit Flachs, Linnen, Hanf und Wolle gewebt. Die Textilpflanzen wurden auf dem Gut angepflanzt, weiter verarbeitet und versponnen. Die größte Blüte der Weberei in unserer Region dauerte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Anbruch der industriellen Fertigung verlor die Hausweberei als Broterwerb an Bedeutung, aber für den Familienbedarf blieb sie bis zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten.

Das Linnen wurde nach Verarbeitungsqualität unterschieden, die von Qualität und Art des vorbereiteten Garns abhing. Aus den Webstühlen ging den Webern so eine ganze Materialskala hervor, von feinem und fast durchsichtigem Tuch bis zu grobem und festem Stoff. Eine regionale Spezialität war die Scherke, ein sehr fester und qualitätvoller Stoff aus einer Kombination von Wolle und Leinen. Sie hatte umfassende Verwendung, aber am meisten erregte sie in Schönheit und Farbenreichtum auf den Damenröcken Aufmerksamkeit.

Das Weberhandwerk war Männerarbeit. Am Webstuhl wurde nicht ganzjährig gearbeitet, im Sommer wurde er auf dem Dachboden abgestellt und in den Wohnraum erst für den Winter getragen. Die Vorbereitungsarbeiten für die Weberei, beispielsweise das Aufwickeln des Schussfadens und das Spannen der Kettfäden, wurden von der ganzen Familie ausgeführt, einschließlich der Kinder. Die Weber hatten ihre eigenen Musterbücher, die sie selbst anfertigten. In der Bibliothek des Stadtmuseums sind zwei solche Musterbücher erhalten, handgeschrieben und -gezeichnet, eines von 1720 und das zweite von 1751. Beide Musterbücher gehörten dem Weber Protiva aus Horažďovice und seiner Familie.

Masterbuch; 1720
Masterbuch; 1720

Der großflächige Anbau von Flachspflanzen verschwand gleichzeitig mit der Weberei. Erst im Lauf des 2. Weltkriegs wurde der Anbau als Pflicht wieder aufgenommen und die gesamten Pflanzen mussten abgegeben werden. Aus dem vielseitig verwendeten Hanf wurde eine verbotene Pflanze, obwohl die Eigenschaften der Hanffaser hervorragend sind.

Der Webstuhl in unserer Werkstatt stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und hat einen Jacquardaufsatz vom Ende des 19. Jahrhunderts. Damit wird das schon so reichlich komplizierte Gerät zwar noch komplizierter, liefert aber gleichzeitig die Möglichkeit, sich ein Stück Stoff zu weben, oder es wenigstens zu versuchen. Der Umgang mit dem Webstuhl mit Aufsatz ist nämlich einfacher als der Umgang mit dem Webstuhl selbst. Farbkombinations- und Verknüpfungs-Möglichkeiten liefert dann ein Computerprogramm, das sowohl in der Werkstatt, als auch auf unserer Webseite zugänglich ist.

Spitzenklöppelei

Klöppelspitze entstand in Italien am Ende des 15. und am Beginn des 16. Jahrhunderts. Spitze war ein Schmuckelement der Bekleidung des Adels und der reicheren Schichten. Von Venedig aus verbreitete sich das Spitzenklöppeln im 16. Jahrhundert auch in unseren Raum. Die Anfänge der Spitzenweberei sind im Böhmerwald seit 1587 nachgewiesen.

Die Entwicklung der Spitzenweberei ging bei uns Hand in Hand mit der Kolonisierung der Gebiete im Grenzgebirge. Fast in allen Gebirgs- und Vorgebirgs-Gegenden waren bekannte Spitzenklöppelei-Zentren. Im Böhmerwald war es genau so. Die Spitze wurde von Frauen, Männern und Kindern geklöppelt. In Böhmen wurde vom 16. bis zum 18. Jahrhundert geklöppelte Spitze in der Herrenmode als Demonstration des Wohlstands benutzt. An volkstümlichen Trachten begann sie erst Ende des 18. Jahrhunderts in einfachen Formen aufzutauchen, erst an zeremoniellen Kopftüchern, später an der Kleidung.

Spitzenklöppelei
Spitzenklöppelei

Im 18. Jahrhundert, vor allem unter Maria Theresia, erhält die Spitzenweberei die Unterstützung des Staates. 1753 wird sie zum freien Beruf erklärt und die erste Spitzenweber-Schule wurde im Jahr 1767 von Maria Theresia in Prag eröffnet. Klöppelspitze wurde bei uns aus verschiedenen Materialien hergestellt, es wurde Flachs, Baumwolle, Hanf, sogar Nesseln und auch Metallgarn verwendet. Metallspitze gehörte zur ältesten Klöppelspitze. Sie wurde insbesondere zur Verzierung von goldenen und silbernen Hauben, zum Einsäumen von teureren Textilstücken wie bestickten Seidentüchern, Kopftüchern und für Sakraltextilien verwendet. Der technische Fortschritt bedeutete für die Spitzenweberei eine Katastrophe. Man begann, Spitze maschinell herzustellen und viele Spitzenweberinnen verloren ihren Lebensunterhalt. Die Klöppelspitze blieb jedoch, und immer neue Generationen lernen dieses großartige Handwerk. Es ist zwar keine Erwerbsquelle mehr, dafür jedoch eine Quelle der Freude an der eigenen kreativen Arbeit.

In der Werkstatt ist fertige Spitze ausgestellt, neuere und ältere. Für Interessierte an der Spitzenklöppelei sind unterschiedlich schwierige Muster vorbereitet, von einer einfachen Kette für Anfänger bis zu einem komplizierten Muster für Fortgeschrittene.

Herstellung aus Holz

Im Böhmerwald und auf dem Gebiet des Vorböhmerwaldes kamen die Menschen bei keiner Tätigkeit ohne Holz aus. Holz begleitete sie ihr Leben lang, von der Geburt an bis zur letzten Reise auf einem hölzernen Bestattungsbrett. Viele Familien hier lebten von der Arbeit mit Holz.

Die häusliche Produktion aus Holz verbreitete sich bald massenweise, vor allem unter der breiten Schicht der Dorfbewohner, auf Kosten der städtischen (Zechen) Handwerker. Diese Kleinproduzenten konnten ohne Lehre ihre Waren auf dem Markt verkaufen, die einzigen Maßstäbe waren hier Qualität und Preis. Oft lernten sie nur ein paar wenige Produktarten herzustellen, aber durch die Praxis brachten sie es zu Meisterhaftigkeit. Zu den renommierten Herstellern gingen die Menschen nicht selten viele Kilometer weit, um deren Waren zu kaufen.

Küchengerätschaften
Küchengerätschaften

Am meisten verbreitete sich die Herstellung von Schindeln zum Dachdecken, Holzschuhen, Werkzeug (Schaufeln, Rechen, Dreschflegel), ausgehöhlten Behältern (Tröge) und Küferprodukten (Fässer, Butterfässer). Sehr häufig war auch die Herstellung von Küchengerätschaften (Löffel, Koch- und Schöpflöffel). Da diese Produktion technisch nicht sehr anspruchsvoll war, wurde sie während des Winters von unterschiedlichen Saisonarbeitern ausgeführt, zum Beispiel von Maurern.

Das Holz wurde zur Bearbeitung in eine Werkbank eingespannt, die verschiedene regionale Bezeichnungen trug, am häufigsten wurde sie dědek (= Großvater) genannt. Die Metallwerkzeuge zur Holzbearbeitung wurden von einem Schmied hergestellt.

In unserer Werkstatt können Sie versuchen, aus einem teilweise vorbereiteten Lindenholz- Rohling einen Löffel zu schnitzen.

 

 

 

Tento projekt Návrat k tradicím je spolufinancován Evropskou unií.
Projekt je spolufinancovan Evropskou unii